Tata Dindin/Hans Lüdemann
CD "Kano" (NRW Records | NRW 2032)
Tata Dindin kora, voice, Hans Lüdemann piano, clavichord
Info | Die Kora ist Symbol der großen Musiktradtion Westafrikas, wie das Klavier die europäische Musiktradition verkörpert. An beide dieser großen Traditionen knüpfen Tata Dindin und Hans Lüdemann an.
Ebraima „Tata Dindin“ Jobarteh wurde 1965 in Brikama (The Gambia), der Heimatstadt des Jobarteh-Clans, geboren. Als er sechs Jahre alt wurde baute ihm sein Vater Malamini Jobarteh eine erste Kora und begann die Ausbildung. Damals lebte noch Malaminis Stiefvater, der legendäre Al Hadj Bai Konte, der bis zu seinem Tode an der Ausbildung seines Enkels entscheidend beteiligt war. In der Tradition des Mandinka-Volkes wird der Beruf des Musikers (jali) nur innerhalb der Familie vererbt. Der jali hat die Funktion, die Gemeinschaft mit dem Spiel eines Instrumentes, Gesang oder Deklamieren von Lobpreisungen zu unterhalten bzw. zu informieren. Doch viel wichtiger: die jali sind lebende Geschichtsbücher, die die Geschichte ihres Volkes in Form von Epen bewahren.
Neben dem Erlernen des traditionellen Repertoires interessierte sich Ebraima Jobarteh auch für die modern yenyengo-Schule des Kora-Spiels und erweiterte seine Ausbildung bei Jaliba Kuyate, dem Neuerer des gambianischen Koraspiels. Bei ihm lernte er komponieren, arrangieren und texten. Während die älteren jali sich ganz auf die Pflege des traditionellen Repertoires und das Singen von Preisliedern konzentrieren, spielen die jungen Muskiker der yenyengo-Schule zeitgenössische Stücke und neuarrangierte Versionen von Klassikern. Ihre Musik soll zum Tanzen animieren.
Schnell stieg Ebraima Jobarteh uner dem Künstlernmamen Tata Dindin in seiner Heimat zum Star auf. Seine Auftritte sind aufsehenerregend: mit der von ihm erfundenen Kora-Akrobatik, die Kora auf dem Rücken oder mit den Zähnen zu spielen, erinnert er an Jimi Hendrix. Doch Tata Dindin liebt es ebenso, die Kora ganz ohne Verstärkung zu spielen. Dann verbinden sich seine Lieder mit traditionellen Themen zu einem meditativ fließendem Mix. (Text Jean Trouillet)
Der Pianist und Komponist Hans Lüdemann wurde 1961 in Hamburg geboren. Der Ausbildung zum klassischen Pianisten folgten intensive Jazz-Studien, u.a. am Banff Centre, Kanada, bei Richard Beirach, Steve Coleman, Kenny Wheeler und Dave Holland. Von 1982 bis 1988 studierte er Jazz-Piano an der Kölner Musikhochschule bei Frank Wunsch und Reiner Brüninghaus. Hans Lüdemanns besonderes Verhältnis zu Afrika und seiner Musik hat sich über viele Jahre durch persönliche Beziehungen und mehrere Reisen entwickelt.
Lüdemann hat die Musik Afrikas auf das Klavier übertragen und verbindet dies mit seiner Improvisationskunst, die er schon in der Zusammenarbeit mit Musikern wie Jan Gabarek und Paul Bley bewiesen hat. Basierend auf abendländischer Polyphonie und afrikanischer Polyrhythmik hat Lüdemann einen eigenen Stil entwickelt, eine "erkennbar eigene Sprache" (FAZ).
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