Hasler/Hanschel/Pastior (D)

CD "Frösche und Teebeutel" (Foolish Music | 211006)
Gabriele Hasler Stimme, Roger Hanschel Alt- und Sopraninosaxophon, Oskar Pastior Lesung

1. Kritik (Klaus Mümpfer, Jazzpages) | „Hörichte“. Hasler und Hanschel und Pastior. Collagen des Dadaismus. Klangpoesie und Wortgesang. Die Stimmakrobatik der Sängerin Gabriele Hasler weist schon immer über den Jazzgesang hinaus. Die Gedichte Oskar Pastiors müssen laut aufgesagt werden – sind eher Hörichte als Gedichte. Und all das ist auf faszinierende Weise nachzuvollziehen auf der neuen CD der Sängerin, des Poeten und des Altaxophonisten Roger Hanschel.
Aufs Innigste verbunden sind die kammermusikalisch freien Improvisationen Hanschels mit den Vokalisen und Laut-Wort-Fetzen Haslers oder der Sängerin Stimmakrobatik mit den Wort- und Silbenspielereien Pastiors, der für seine
Durchquerung der Sprache in diesem Jahr den Büchnerpreis entgegen nehmen wird.
Zwei Seiten einer Ton-Sprache sind „tschirp konson“, ein Solo, in dem Gabriele Hasler zirpt und girrt und gurrt, sowie „tschrip sakson“, in dem Roger Hanschel sein Instrument vibrato-flirrend sowie in Ton- und Akkord Fetzen singen und stöhnen lässt. Rachenlaute im Kehlkopf der Sängerin, Endlosschleifen sinnfreier, freisinniger Poesie des Lyrikers. Sein erstes Gedicht „Jalousien aufgemacht – Jalousien zugemacht“ – Pastior war damals vier Jahre jung – ist der Ausgangspunkt einer der sprachkünstlerischen Wortspielereien, die der Dichter zwischen den musikalischen Ausflügen auf seine eigene mitreißende Weise vorträgt – in rot, und gelb und grün und blau und schwarz und weiß.
Die sensible Kommunikation dreier außergewöhnlicher Künstler ermöglicht eine phantastische CD.

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